IBB Wohnungsmarktbericht 2018

Berlin im Indikatorenvergleich

Wo steht der Berliner Wohnungsmarkt?

Bei einer gemeinsamen Betrachtung der Angebots- und Nachfrageseite werden die aktuellen Herausforderungen offenkundig. In der nachfolgenden indizierten Darstellung ausgewählter Nachfrage- und Angebotsindikatoren lassen sich die Entwicklungen mehrerer Wertereihen im Zeitverlauf erkennen. 2013 ist als festgesetzter Ausgangspunkt der Betrachtung mit dem Basiswert 100 versehen. Seit 2013 wuchs die Berliner Bevölkerung um 5,6 %. Die Zahl der Wohnungen nahm im gleichen Zeitraum nur um 2,6 % zu. Angesichts dieses weiter angestiegenen Nachfrageüberhangs kann die starke und sich beschleunigende Dynamik der Angebotsmieten von fast 25 % in nur vier Jahren nicht überraschen, zumal seit 2013 keine nennenswerten Wohnungsleerstände mehr bestanden. Dieses Angebotsdefizit drückt sich unmittelbar im Preis für das Wohnen aus. Auch die ortsüblichen Vergleichsmieten (Mietspiegel) erhöhten sich von 2013 zu 2017 um 15,3 %, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als die Angebotsmiete. Dies hängt damit zusammen, dass in die Erhebung der ortsüblichen Vergleichsmiete neben neu abgeschlossenen Mietverträgen auch Mietanpassungen bei bestehenden Mietverträgen der letzen vier Jahre einfließen. So ergibt sich eine im Vergleich zu den Angebotsmieten insgesamt geringere Steigerung.

Bemerkenswert weniger dynamisch verlief im Betrachtungszeitraum die Entwicklung der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte (je Einwohner). Dieses Einkommen stieg seit 2013 zwar um 8,3 %, blieb aber deutlich hinter der durchschnittlichen Mietenentwicklung zurück. Es ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Wohnkostenbelastung der privaten Haushalte im Betrachtungszeitraum gestiegen ist.


Abbildung: Ausgewählte Indikatoren im Vergleich (Indiziert, Indexwert 2013=100)

Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg; empirica-systeme GmbH; eigene Berechnungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
*Verfügbares Einkommen: 2017 = Prognosewert

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungswachstum weiter hoch, aber unter Vorjahresniveau

Die Bevölkerungszahl Berlins nahm auch 2017 weiterhin zu, im Vergleich zum Vorjahr jedoch auf einem etwas niedrigeren Niveau. Per Saldo wuchs die Stadt um 38.665 Menschen. Mit 3.613.495 erreichte die Bevölkerungszahl ein Rekordniveau seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Nicht nur Berlin wächst, sondern auch sein Umland. Mit einer Bevölkerungszunahme von fast 6 % wuchs das Berliner Umland zwischen 2013 und 2017 in ähnlichem Ausmaß wie Berlin. Motor dieser Entwicklung in der Bundeshauptstadt bleibt der Zuzug von außen, der rund 85 % der Bevölkerungsgewinne begründet.

2015 und 2016 Ausnahmejahre in der Wanderungsstatistik

Die Berliner Wanderungsaktivitäten waren von jeher vorrangig durch das Ausland geprägt. Aufgrund des Zuzugs von Geflüchteten innerhalb der Jahre 2015 und 2016 stieg der Außenwanderungssaldo immens an. Dieser Trend setzte sich nicht fort, vielmehr pendelten sich die Zahlen im Jahr 2017 auf dem Niveau von 2014 ein. 2015 und 2016 stellen für Berlin somit keinen Trendwechsel, sondern eine Ausnahme dar. Die meisten Ausländer kamen 2017 aus Rumänien, Bulgarien und Polen, dem Vereinigten Königreich und den USA, deutlich weniger jedoch aus dem Nahen Osten.

Abbildung: Natürliche und wanderungsbedingte Bevölkerungsentwicklung in Berlin 2008-2017 (Anzahl der Personen)

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Einwohnerentwicklung

Weiterhin starkes Einwohnerwachstum innerhalb und entlang des S-Bahn-Rings

Die Einwohnerzahl Berlins, die aus den Meldedaten ermittelt wird und – anders als die fortgeschriebene Bevölkerung – auch kleinräumige Daten liefert, wächst seit 2008 kontinuierlich an und erreichte 2017 einen Stand von 3.711.930 Menschen. Dies entspricht einem Zuwachs von +10,4 % bzw. um rund 350.000 Einwohner in besagtem Betrachtungszeitraum. Die Einwohnerentwicklung war in allen Bezirken positiv, wobei sich die Wachstumsraten stark unterschieden. In Pankow, dem einwohnerstärksten Bezirk Berlins, überstieg dabei die Einwohnerzahl die 400.000.

In der detaillierten Betrachtung der Einwohnerentwicklung der einzelnen Planungsräume Berlins seit 2008, lässt sich eine Konzentration von Einwohnerzuwächsen in den Innenstadtbereichen innerhalb und entlang des S-Bahnrings und der Spree feststellen. Ebenfalls starke Zuwächse jenseits des S-Bahn-Rings verzeichneten die nordwestlichen und nordöstlichen Planungsräume von Reinickendorf, Pankow und Lichtenberg. Hohe Wachstumsraten außerhalb des Rings finden sich auch dort, wo in den letzten Jahren viel Wohnungsneubau stattfand, wie z. B. im Bereich Brunnen-/Invalidenstraße (Mitte) oder auch im Ortsteil Buch (Pankow) oder Kladow (Spandau).

Auch innerhalb des S-Bahn-Rings gibt es Planungsräume mit vergleichsweise geringen Wachstumsraten oder Einwohnerrückgängen, vor allem südlich der Spree in Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg. Grund hierfür kann der sogenannte Remanenzeffekt sein. Aufgrund persönlicher Präferenzen oder des angespannten Wohnungsmarktes entscheiden sich Haushalte bei Veränderung der Haushaltsstruktur (Auszug des Kindes, Scheidung etc.) nicht zur Anpassung der Wohnverhältnisse. Sie verbleiben in ihren Wohnungen, wodurch weniger Menschen in einer gleichbleibenden Anzahl von Wohnungen leben. Dieser Effekt ist in Gebieten mit wenig Neubau besonders ausgeprägt.

Planungsräume mit geringen oder sogar negativen Wachstumsraten liegen in der Regel in den Stadtrandlagen von Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf.


Karte: Einwohnerentwicklung in den Planungsräumen 2008-2017 (Prozent)

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushaltsentwicklung

Über 2 Millionen Haushalte in Berlin

2017 überstieg die Zahl der Berliner Haushalte mit 2.002.900 erstmals die Zwei-Millionen-Marke. Weiterhin dominierten hierbei Haushalte mit einer Person (52 %). Der Anteil der Zweipersonenhaushalte belief sich auf circa 29 %, Dreipersonenhaushalte waren mit 10 % vertreten. Nur 9 % der Berliner Haushalte bestanden aus vier oder mehr Personen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Berlin lag 2017 weiterhin bei 1,8 Personen, geprägt von der Dominanz der kleinen Haushalte mit ein oder zwei Personen (insgesamt 81 %).


Abbildung: Entwicklung der Haushaltsstruktur in Berlin 2008-2017 (Anzahl der Haushalte)

Anmerkung: Auf Basis der Ergebnisse des Zensus 2011. Für den Mikrozensus 2016 haben sich aufgrund eines Methodenwechsels bezüglich der Stichprobengrundlage (neue Clusterung auf Basis der Ergebnisse des Zensus 2011) deutliche strukturelle Veränderungen ergeben. Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, ab 2013 Datenbasis: Zensus 2011

Wohnungsbestand

Geschosswohnungsbau prägt Berlin

Seit 2013 stieg die Anzahl an Wohnungen jährlich um einen zweistelligen prozentualen Wert an, 2017 um 15.779 auf 1.932.296 Einheiten. Der Geschosswohnungsbau (Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen) ist mit 87 % prägend für den Berliner Bestand. Insgesamt 202.408 Wohnungen bzw. rund 11 % entfielen auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Der Bestand in Wohnheimen stieg um gut 13 % auf aktuell 25.848 Wohnungen an. Nur rund 1,5 % aller Wohnungen befanden sich in Nichtwohngebäuden.

Ein- und Zweizimmerwohnungen dominieren den Wohnungsbestand

Von der Zunahme des Bestandes (15.779) war kein Wohnungstyp ausgeschlossen. Im Vergleich zum Jahr 2016 sind die Anteile nahezu unverändert geblieben. Ein- und Zweizimmerwohnungen stellten mehr als die Hälfte (55 %) aller Wohnungen dar. 521.242 Wohnungen verfügten über drei, 221.139 über vier Wohnräume. 6 % des Bestandes 2017 waren Wohnungen mit mehr als vier Wohnräumen.

Die innerstädtischen Altbaubestände der Gründerzeit um die Jahrhundertwende umfassten rund 27 % der Gebäudesubstanz. Aus der Zeit von 1919 bis 1948 stammten 14 % aller Wohnungen in Berlin. Über die Hälfte (56 %) der heutigen 1.932.296 Wohnungen in Berlin entstanden in der Nachkriegszeit zwischen 1949 und 2010. Seit 2011 kamen rund 65.000 Wohneinheiten hinzu. Dies entspricht rund 3 % des Gesamtbestands.

Mietwohnungen bestimmen den Berliner Wohnungsmarkt

Mietwohnungen bestimmten 2017 mit fast 85 % bzw. 1.638.800 Einheiten den Markt. Die Anzahl der Mietwohnungen stieg um 12.300 Einheiten gegenüber 2016, der gesamtstädtische Anteil ging um 0,1 Prozentpunkte leicht zurück. Deutlich überdurchschnittliche Werte ergaben sich in den östlichen Bezirken Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg sowie in Mitte mit über 90 %. Auch in Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln lagen die Anteilswerte oberhalb des Berliner Mittelwerts. Quoten unter 80 % fanden sich in Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Reinickendorf. Vom gesamtstädtischen Trend eines sinkenden Mietwohnungsanteils waren die Bezirke Pankow, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg ausgenommen. Hier blieben die Anteile stabil.


Abbildung: Wohnungsbestand nach Anzahl der Wohnräume und nach Baualter 2017 (Anzahl der Wohnungen/Anteil am Gesamtbestand)

Anmerkung zum Wohnungsbestand nach der Anzahl der Räume: Ohne Küche, Bad und Flur. Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Bautätigkeit

Bauintensität im Betrachtungszeitraum auf Rekordniveau

Dem Berliner Wohnungsmarkt fehlen weiterhin zehntausende Wohnungen, obwohl sich die Bauintensität und Fertigstellungen im Jahr 2017 auf einem hohen Niveau befanden. Die Baugenehmigungen stagnierten 2017 zuletzt mit knapp 25.000 Wohnungen in etwa auf Höhe des Vorjahreswertes. Die Baufertigstellungen entwickelten sich 2017 weiter dynamisch. Mit insgesamt 15.669 Wohnungen wurden im Betrachtungsjahr 2.010 Wohnungen mehr als im Vorjahr fertiggestellt. Allerdings flachte die Wachstumsrate deutlich ab und sank von 27,4 % Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (2016) auf 14,7 % (2017).

Größere Bauprojekte können zwischen den Bezirken erhebliche Schwankungen der Fertigstellungszahlen hervorrufen. Wie bereits 2016 wurden auch 2017 in Lichtenberg, Mitte und Treptow-Köpenick die meisten Wohnungen fertiggestellt. Lichtenberg erzielte hierbei mit 2.544 Fertigstellungen den Spitzenwert. Zusammen wurden in diesen drei Bezirken 46 % aller Fertigstellungen realisiert. Die wenigsten Wohnungen wurden in Tempelhof-Schöneberg (311) und Spandau (405) fertiggestellt.


Karte: Durchschnittliche Fertigstellungen pro Jahr auf Ebene der Planungsräume 2013-2017 (Anzahl der Wohnungen)

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg; eigene Berechnungen der RegioKontext GmbH

Angebotspreise

Angebotskaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser 2018: 460.000 EUR (Median) in Berlin

Die Angebotskaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser (inkl. Grundstück) stiegen auch 2018 weiter an. Dabei verzeichnete das vierte Quartal 2018 einen mittleren Kaufpreis bei Eigenheimen im Bestand und Neubau von 498.600 EUR. Die sich beschleunigende Dynamik des vierten Quartals 2017 setzt sich somit auch 2018 weiter fort. Während des gesamten Betrachtungszeitraumes 2011 bis 2018 hat sich der Angebotskaufpreis nahezu verdoppelt (+243.600 EUR seit 2011/Q1). Die Angebotspreise im Bestand entwickelten sich weiter dem mehrjährigen Trend entsprechend.

Zuletzt stieg der mittlere angebotene Kaufpreis für ein gebrauchtes Eigenheim auf 495.000 EUR. Auf einem ähnlichen Niveau bewegte sich der (jährlich erfasste) Neubau. Nach einer "Verschnaufpause" 2016/2017 erreichte der mittlere Jahreswert 2018 495.000 EUR. Im Vergleich zum Wert von 2011 entspricht dies ebenfalls einer Verdopplung. Für das Jahr 2018 ergab sich ein Gesamtmedian (Neubau und Bestand) von rund 460.000 EUR (inkl. Grundstück). Dies entspricht einer Steigerung um 61.000 EUR (15.3%) zum Vorjahr (399.000 EUR).


Abbildung: Entwicklung der Angebotskaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser 2011-2018 (Median, EUR)

Quellen: Immobilien Scout GmbH (2011-2017); empirica-systeme GmbH (2018), eigene Berechnungen der RegioKontext GmbH
Anmerkungen: *Ab 2013 Q1 verfeinerte Datenbereinigung; als Neubauten werden alle Objekte gewertet, die im jeweiligen Betrachtungsjahr oder im Vorjahr fertiggestellt wurden (Neubauwerte jährlich dargestellt). ** Ab 2018 Q1 veränderte Datengrundlage

Angebotskaufpreise für Eigentumswohnungen 2018: 4.200 EUR/m² (Median) in Berlin

Der dynamische Anstieg der Kaufpreise für Eigentumswohnungen setzte sich auch im Jahr 2018 unvermindert fort. Der mittlere Angebotspreis (Neubau und Bestand) lag im vierten Quartal 2018 bei 4.368 EUR/m². Im Vergleich zum Vorjahr (2017/Q4) registrierte Berlin einen Anstieg der Quadratmeterpreise um rund 11% bzw. 444 EUR/m².

Dieser Preisanstieg zeigte sich in ähnlicher Weise im Teilsegment der Bestandswohnungen. Während der mittlere angebotene Kaufpreis für Eigentumswohnungen im Bestand im vierten Quartal 2017 bei 3.612 EUR/m² lag, stieg der Kaufpreis zum vierten Quartel 2018 um 486 EUR/m² auf 4.098 EUR/m² an.

Die Entwicklung im Segment der Neubau-Eigentumswohnungen erwies sich 2018, ebenso wie im Vorjahr, dynamischer als im Bestand. Der jährlich erfasste Angebotskaufpreis für neu errichtete Eigentumswohnungen lag 2018 im Median bei 5.649 EUR/m². Der Gesamtmedian (Neubau und Bestand) lag für das Jahr 2018 bei 4.200 EUR/m² und stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um 400 EUR/m² (10,5 %) an.


Abbildung: Entwicklung der Angebotskaufpreise für Eigentumswohnungen 2011-2018 (Median, EUR/m²)

Quellen: Immobilien Scout GmbH (2011-2017); empirica-systeme GmbH (2018), eigene Berechnungen der RegioKontext GmbH
Anmerkungen: *Ab 2013 Q1 verfeinerte Datenbereinigung; als Neubauten werden alle Objekte gewertet, die im jeweiligen Betrachtungsjahr oder im Vorjahr fertiggestellt wurden (Neubauwerte jährlich dargestellt). ** Ab 2018 Q1 veränderte Datengrundlage

Angebotsmieten 2018: 10,32 EUR/m² (Median) in Berlin

Verschnaufpause bei den Angebotsmieten

Die Marktentwicklung wird von neu abgeschlossenen Mietverträgen bestimmt. Deren Konditionen sind nicht allgemein zugänglich und auswertbar. Eine Annäherung ist über eine Auswertung der Angebotsmieten möglich. Dabei handelt es sich um die Angaben aus Vermieterinseraten auf unterschiedlichen medialen Plattformen. Hier lassen sich zumindest die Preisvorstellungen der Anbieterseite ableiten.

Während die mittleren Angebotsmieten im Bestand seit mehreren Jahren kontinuierlich stiegen, verzeichnete das Teilsegment 2018 zunächst eine gewisse Stagnation. Hierbei muss der eingangs beschriebene Wechsel der Datengrundlage berücksichtigt werden. So wurden bei den aktuellen Daten für 2018 beispielsweise (die vergleichsweise teureren) Angebote für Zimmer in Wohngemeinschaften systematisch herausgefiltert. Im Jahresverlauf zogen die Quartalswerte (Neubau und Bestand) um insgesamt 4 % an und endeten mit einem mittleren Mietpreis von 10,70 EUR/m² im vierten Quartal. Diese Dynamik liegt unterhalb der Jahresentwicklungen von 2016 und 2017, die jeweils ca. 10 % betrugen. Über den gesamten Betrachtungszeitraum 2011 bis 2018 sind die Angebotsmieten von 6,47 EUR/m² auf 10,70 EUR/m² angestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 65 %. Für das Jahr 2018 ergab sich ein Median von 10,32 EUR/m² (Neubau und Bestand). Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um 0,53 EUR/m² (5,4 %) von 9,79 EUR/m² auf 10,32 EUR/m² (empirica-systeme).

Trotz des leichten Rückgangs der mittleren Angebotsmieten für Bestandswohnungen bewegte sich der Mietpreis weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Angebotsmieten im Neubau stagnierten seit 2014 auf einem Niveau von 13 EUR/m² im Median. 2018 ist erstmals wieder eine Aufwärtstendenz zu verzeichnen: Der Mittelwert erreichte nun 14,04 EUR/m².

Angebotsmieten innerhalb des S-Bahn-Rings deutlich über dem Berliner Durchschnitt

Innerhalb des S-Bahn-Rings wurde auch 2018 das höchste Mietpreisniveau konstatiert. Nahezu flächendeckend wurden mittlere Angebotspreise von 12,00 EUR/m² erfasst. Nur in einzelnen Planungsräumen konnten innerhalb des S-Bahn-Rings mittlere Angebotsmieten von unter 9,00 EUR/m² festgestellt werden. Abgesehen von solchen Ausnahmen liegt die Innenstadt fast vollständig oberhalb des berlinweiten Durchschnitts von 10,32 EUR/m². Zudem breitet sich das Gebiet mit überdurchschnittlichen Angebotsmieten inzwischen auch deutlich über den S-Bahn-Ring hinaus aus. Im Südwesten sind Planungsräume im westlichen Steglitz und Lichterfelde, aber auch in den Gebieten, die nordöstlich an die Innenstadt angrenzen (v. a. Pankow), betroffen. Im Wedding wurden fast ausschließlich mittlere Angebotsmieten von 10,00 EUR/m² und mehr erfasst.

Mit steigender Entfernung zum Stadtzentrum sanken auch die Angebotsmieten. In Spandau, Marzahn-Hellersdorf sowie in den südlichen Teilen Neuköllns und Tempelhof-Schönebergs konnten flächendeckend mittlere Angebotsmieten unterhalb des Berliner Durchschnitts erfasst werden. Hier entfielen auf mehrere Planungsräume durchschnittliche Angebotsmieten von unter 8,00 EUR/m². Im Vergleich zum Vorjahr war jedoch auch außerhalb der Innenstadt ein allgemeiner Anstieg des angebotenen Mietpreisniveaus festzustellen.


Karte: Angebotsmieten (nettokalt) für Wohnungen in den Berliner Planungsräumen 2018 (Median, EUR/m²)

Quelle: empirica-systeme GmbH

Schwerpunktthema: Bauüberhänge

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Baugenehmigungen stark an, die Fertigstellungszahlen folgten dieser Dynamik zunächst nur bedingt. Diese Differenz von 58.990 Wohnungen (am Stichtag 31.12.2017) wird als Bauüberhang bezeichnet. Hierbei handelt es sich vor allem um ein zeitliches Phänomen, das auf die Dauer der Fertigstellung von durchschnittlich 22 Monaten zurückzuführen ist.

Fast drei Viertel (73,5 %) des Bauüberhangs in 2017 (nur Neubau) stammten aus den Jahren 2016 und 2017. Bezogen auf den Zeitraum 2015 bis 2017 waren es sogar fast 90 %. Umgekehrt gilt, dass die rund 5.400 nicht fertiggestellten Baugenehmigungen der Jahre 2014 und früher im Bauüberhang mit rund 11 % keine wesentliche Rolle spielen. Insgesamt ein Viertel davon (1.330) waren bis Ende 2017 nicht als im Bau befindlich registriert. Der Bauüberhang aus dem Jahr 2017 ist damit hauptsächlich dem Genehmigungsgeschehen der vorigen drei Jahre zuzuordnen. Bei diesem eindeutigen Bild spielen einerseits die hohen Genehmigungszahlen der letzen Betrachtungsjahre eine Rolle, aber auch die Tatsache, dass hohe Anteile der Wohnungen, die 2014 und früher genehmigt wurden, inzwischen fertiggestellt sind. Der Bauüberhang aus dem Jahr 2017 erklärt sich somit keinesfalls aus langjährig verzögerten oder aufgrunde von Spekulation gar nicht begonnenen Bauvorhaben. Hauptsächlich sind Wohnungen, die erst in den Jahren 2015 bis 2017 zum Bau genehmigt wurden - und sich schon größtenteils in der Umsetzung befinden, für die hohe Zahl der Bauüberhänge verantwortlich. Erloschene Baugenehmigungen machen mit rund 2 % (1.274 Wohneinheiten) im gesamten Betrachtungszeitraum statistisch nur einen geringen Anteil aus.

Realisierungsquote 2017 bei 90 %

Besonders wichtig im Zusammenhang mit Bauüberhängen ist die Frage der Realisierung. Wie viele der zum Bau genehmigten Wohnungen werden auch tatsächlich realisiert? In den Jahren 2010 bis 2014 wurden in neuen Wohngebäuden insgesamt 42.845 Wohnungen zum Bau genehmigt. Von diesen wurde bis Ende 2017 bei 1.989 (5 %) Wohnungen noch nicht mit dem Bau begonnen bzw. erlosch die Baugenehmigung. Dementsprechend ergibt sich eine Realisierungsquote von rund 95 % der Baugenehmigungen. Wird der Anteil der nicht realisierten Wohnungen von 5 % auch auf die Jahre 2015 bis 2017 übertragen, ergibt sich in Summe für die Jahre 2010 bis 2017 eine Anzahl von rund 4.800 Wohnungen. Bei diesen erscheint die Realisierung fragwürdig. Übertragen auf den gesamten Bauüberhang in 2017 bedeutet dies, dass für 90 % der sich im Bauüberhang befindlichen Wohnungen eine Realisierung im üblichen Zeitrahmen zu erwarten ist. Eine mögliche Spekulation spielt demnach, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle.


Abbildung: Bauüberhang nach Baufortschritt und Genehmigungsjahr in neuen Wohngebäuden 2017 (Anzahl neuer Wohnungen)

Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg; eigene Berechnungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (nur Wohnungsneubau)

Den IBB Wohnungsmarktbericht 2018 sowie den dazugehörenden Tabellenband finden Sie unter der Internetadresse https://ibb.de/wohnungsmarktbericht.